Schuld und Sühne – Was wir an Karfreitag feiern

Ein Steinkreuz in der freien Natur, so etwas findet sich an vielen Orten in Deutschland. Diese Kreuze gehören nicht zu irgendeinem Friedhof. Immer scheinen sie seit Menschengedenken an ihrem Platz zu stehen. Was hat es damit auf sich?
Früher musste fahrlässige Tötung in doppelter Weise gesühnt werden. Die Hinterbliebenen des Getöteten musste der Totschläger mit Geld entschädigen. Weil aber Totschlag als Sünde nicht nur gegen Menschen, sondern auch gegen Gott und sein Gebot verstanden wurde, wurden zusätzlich noch kirchliche Sühnstrafen auferlegt: Totenmessen, Wallfahrten, oder eben die Errichtung eines Steinkreuzes am Tatort.
Diese Sühnkreuze erhellen den Zusammenhang von Sünde und Sühne. Der Totschläger hat das Leben eines Menschen ausgelöscht und damit eigentlich sein eigenes Leben verwirkt. Auge um Auge, Zahn um Zahn, Leben um Leben. Er hat außerdem die Familie des Toten geschädigt, die jetzt im schlimmsten Falle keinen Ernährer mehr hat. Er hat jedoch auch gegen Gottes Gebot verstoßen, das – bei aller Gottvergessenheit – noch immer weithin anerkannt ist: „Du sollst nicht töten.“ Eigentlich hätte nun der Totschläger sein Leben verwirkt. Aber durch Sühneleistung an die Angehörigen kann er sein Leben retten.
Wie aber kann die zerbrochene Beziehung zu Gott wiederhergestellt werden? Nicht durch die Bußstrafen der Kirche. Das wäre allzu billig. Gott ist heilig. Wir Sünder aber sind unheilige Menschen, die nicht vor Gottes Angesicht treten können.
Einen ganz anderen Weg zur Sühne hat Gott eingeschlagen. Er kam in die Welt und versühnte die Welt mit sich selbst. Bis ins Tal der Tränen und des Todes ist er uns nachgegangen. Er hat unser Leidens- und Todesschicksal auf sich genommen, daran erinnern wir uns an Karfreitag. Im Johannesevangelium ist alles in einem Vers zusammengefasst (Joh 3,16): „So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“