Alte Stephanuskirche vor 50 Jahren abgebrochen

Der Mai ist der Monat an dem die alte Stephanuskirche ihre Gedenktage hat. Am 3. Mai 1669, also vor 350 Jahren wurde das kleine Kirchlein geweiht. Es war ein bescheidener Neubau nach der Totalzerstörung des Dorfes im Dreißigjährigen Krieg. Vier ursprüngliche Ausstattungsgegenstände haben sich aus der alten Kirche erhalten: Der Taufstein aus dem Jahr 1668. Der Abendmahlskelch, der von der damaligen Pfarrfamilie Kirner gestiftet wurde (ebenfalls 1668). Das alte schmiedeeiserne Turmkreuz, das seit 2006 wieder auf dem Kirchturm montiert ist. Und sehr wahrscheinlich auch das alte Holzkruzifix, das unter dem Namen „Steffele“ bekannt geworden ist und heute im Gemeindesaal hängt.
Der letzte Gottesdienst in der alten Kirche fand am 18. Mai 1969 statt, also vor genau 50 Jahren. Schon 1961 hatten sich die Holzmadener entschlossen, eine neue Kirche zu bauen, weil die alte sehr klein und vor allem hoffnungslos baufällig war.
Die Planungen zogen sich aus verschiedenen Gründen jahrelang hin. Hauptgrund war wohl die Arbeitsweise des vom Oberkirchenrat beauftragten Architekturbüros im Schneckentempo. Was für die Kirchengemeinderäte äußerst unbefriedigend war, erwies sich im Nachhinein vielleicht als Glücksfall. Denn schon bald wurde klar, dass durch den Neubau der Schule auf dem Brühl (1966) auch der Platz des alten Schulhauses für den Kirchbau verwendet werden konnte. Die Verhandlungen mit der bürgerlichen Gemeinde über den fälligen Grundstückstausch zogen sich hin. Ganz unerwartet kam 1966 ein Wechsel des Pfarrstelleninhabers hinzu.
Interessant ist auch, wie sich im Laufe der Jahre die Vorstellungen vom Kirchenneubau gewandelt haben. Anfang der sechziger Jahre war man noch davon ausgegangen, dass man die neue Kirche im Wesentlichen in der Form der alten, nur eben etwas länger und breiter bauen würde. Mit Empore wollte man auf etwa 250 bis 300 Sitzplätze kommen. Der Turm sollte wegen des Ortsbilds möglichst beibehalten werden. Ein Gemeindehaus hätte man später jenseits der Schulstraße im Pfarrgarten bauen können. Bis zur Mitte der 60 Jahren hatte verfestigte sich die Idee, dass Kirche und Gemeindehaus an einem Platz als Gemeindezentrum entstehen sollten. Es lag ein moderner Entwurf vor mit einem aufwändigen Pyramidendach über dem Kirchenraum, der auch eine Empore bekommen sollte. Mittlerweile war klar, dass man einen neuen Turm brauchte, weil nach gründlicher baustatischer Prüfung die Erhaltung des alten endgültig aufgegeben werden musste. Erst am Ende der Planungsphase wurde schließlich festgelegt, dass die neue Kirche das heutige Pultdach bekommen sollte. Aus Gründen der Finanzierung entschied sich der Kirchengemeinderat außerdem, den hinteren Jugendraum samt dem Turm erst in einem zweiten Bauabschnitt zu realisieren.
Der Abbruch der alten Stephanuskirche wurde auf 27. Mai 1969 festgelegt. Mit dem Bau der neuen Kirche konnte am 1. Juli begonnen werden.